Gartengestaltung

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Gärten aus dem Morgenland

Aus dem Morgenland machten sich einst nicht nur drei Weise auf den Weg … Wir nehmen euch mit auf einen Ausflug in die Geschichte unserer Gartenkultur.

Infos zur Geschichte unserer Gartenkultur

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Paradiese aus biblischer Zeit

In unzähligen Geschichten der Bibel spielen Gärten eine ganz entscheidende Rolle -  und tatsächlich: traumhaft schöne Gärten kennt man im Orient bereits seit vielen tausend Jahren. Sie wurden weithin bewundert und das hatte Folgen, die bis in unsere Zeit hineinreichen.

Die Wiege unserer Gartenkultur

… stand aller Wahrscheinlichkeit nach direkt neben der Wiege unserer Kultur überhaupt – und zwar in Mesopotamien, dem sagenumwobenen Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris.

Das günstige Klima und Bewässerungsmöglichkeiten durch die beiden großen Ströme sorgten dafür, dass vor allem der Süden Mesopotamiens zu einer Kornkammer wurde. Doch die Bewohner der Region, Babylonier und Assyrer, wurden so auch Experten in einer Bewässerungstechnik, die mithilfe von Kanälen das Anlegen von Gärten in der trockenen Landschaft überhaupt erst ermöglichte.

Zwar konnte man bislang die Existenz solcher Gärten kaum durch Ausgrabungen belegen, doch fanden sich weit über 3000 Jahre alte Inschriften und Reliefs, die sowohl Pflanzen dieser Gärten beschreiben, als auch einen kleinen Eindruck ihres Aussehens vermitteln.

Höhepunkt dieser Gartenkultur waren möglicherweise die in Babylon vermuteten „Gärten der Semiramis“.

Die Perser und ein abenteuerlustiger Grieche

Um 500 v Chr. hatten schließlich die Perser Mesopotamien erobert – und waren offensichtlich sehr beeindruckt von den Ingenieurleistungen der dortigen Bewohner, aber vor allem auch von deren Gärten.

Insbesondere die persischen Könige ließen um ihre Höfe üppige Gärten anlegen und im Buch Ester wird sogar von einer Art „Gartenparty“ des Königs Ahasveros erzählt. (Ester 1, V.5)

Genauer sind jedoch Schriften des Griechen Xenophon, der mit einem griechischen Söldnerheer an einem persischen Bürgerkrieg teilnahm. Er beschrieb später nicht nur diese Gärten, im Persischen „Pairidaeza“ genannt, sondern legte nach ihrem Vorbild bei Olympia auch den vermutlich ersten Landschaftsgarten Europas an, den man im Griechischen „Parádeisoi“ nannte.

Das Paradies

Spätestens hier fällt auf, woher nicht nur dem Namen nach unsere Vorstellungen vom Paradies stammen:

Das persische Pairidaeza bedeutet vom Wortursprung her eigentlich „Ummauerung“ oder „Umzäunung“, denn die persischen Gärten waren wohl auch zum Schutz vor den heißen Winden mit hohen Mauern umgeben. Innerhalb dieser Mauern erschuf man märchenhaft schöne Traumwelten mit wasserspendenden Kanälen, unzähligen blühenden und Früchte tragenden, duftenden Pflanzen.

Der Kontrast zur staubigen, heißen Wüstenlandschaft außerhalb dieser Mauern muss gewaltig gewesen sein – welch ein Drama, das eine mit dem anderen tauschen zu müssen!

Auch die Autoren der biblischen Geschichten kannten das antike Persien. So ist diese Beschreibung des Garten Eden in der Genesis wohl kaum Zufall:

„Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin […] Gott der Herr ließ aufwachsen […] allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen.“

„Und es ging aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern und teilte sich von da in vier Hauptarme“

Idealvorstellungen als Folge persischer Gärten?

Das Paradies war demnach zentraler Ausgangspunkt von vier Strömen und bis heute hat sich in der islamischen Gartenkultur das Idealbild eines ummauerten Gartens erhalten, der von vier Kanälen durchzogen wird, welche im Zentrum rechtwinklig aufeinander treffen. (Die biblischen Geschichten des Alten Testamentes sind auch im Islam von hoher Bedeutung)

Lässt sich diese symbolhafte Vorstellung eines idealtypischen, geometrischen Gartenbildes ebenfalls auf antike persische Gärten zurückführen?

Fand man doch bei Ausgrabungen Reste der Gärten von Kyros dem Großen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., die einen geometrischen Grundriss aufwiesen und von steinernen Kanälen durchzogen waren.

Der Weg zu uns

…führte möglicherweise – wie für so manches andere auch – über die Römer. Durch Ausgrabungen und Beschreibungen antiker Autoren wissen wir vieles über deren Gärten. Zahlreiche römische, meist ummauerte (!) Villengärten, Peristyl genannt, waren geometrisch unterteilt und besaßen Wasserläufe, Brunnen oder Wasserbecken.

Die Römer waren bekannt dafür, dass sie Errungenschaften fremder Kulturen, die sie auf ihren Eroberungszügen kennenlernten, übernahmen und weiter entwickelten. Und die Römer drangen weit ins antike Persien vor…

Interessant, wie sehr diese römischen Gärten doch den im Mittelalter bei uns entstehenden, geometrisch angeordneten Klostergärten ähnelt, die ebenfalls mit schützenden Mauern umgeben waren und zum Vorbild für unzählige spätere Bauerngärten wurden.

Übrigens ist auf der mittelalterlichen, vermutlich in einem Kloster entstandenen „Ebstorfer Weltkarte“ das Paradies im Nordosten verzeichnet: als ein geometrischer, von Mauern umgebener Garten.

Fazit:

Die Gärten aus biblischen Zeiten prägen bis heute nicht nur unser Bild vom Paradies, wie uns dieser historische Exkurs in die Voraussetzungen unserer heutigen Gartenkultur zeigt.

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Christiane Kremer ist Experte für Planung von lebendigen Gärten
Dipl. Ing. Raum- und Umweltplanung Christiane Kremer
aus Kaiserslautern
Experte für Planung von lebendigen Gärten
  • Kreative Ideen für Einzelfragen
  • Harmonische und umweltgerechte Gesamtkonzepte
  • Standortgerechte Pflanzenauswahl
Als freischaffende Gartenplanerin plant Christiane vor allem für Menschen, die ihren Garten in Eigenarbeit neu anlegen wollen und vermittelt zudem ihr Wissen in Kreativkursen. Darüber hinaus übernimmt sie als freie Mitarbeiterin eines Planungsbüros gelegentlich auch städtebauliche Aufgaben.

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