Igel im Garten

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Igelbesuch – wie bringt man das Tier über den Winter?

Die gestachelten Tiere halten einen Winterschlaf, doch nicht jedem Igel gelingt es, sich vor dem Winter einen ausreichenden Winterspeck anzufressen. Diesen Tieren muss geholfen werden, denken sich viele. Doch es gibt einige wichtige Punkte zu beachten.

Ausgehungerte Igel im Winter pflegen

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In meiner Kindheit hatten wir Nachbarn, die regelmäßig Igeln ein Winterquartier boten. Fanden wir Kinder beim Spielen eines der hilflosen Stacheltiere, wussten wir, dass wir es zu ihnen bringen können. Im Frühjahr dann wurde der stachelige Wintergast wieder ausgewildert.

Wie die Nachbarn ihn allerdings durch den Winter gebracht, ihn artgerecht gefüttert und erfolgreich ausgewildert haben - das alles wusste ich damals nicht. Heute habe ich selbst ein Haus mit Garten und regelmäßig nächtlichen Igelbesuch - und stand schon bald vor der Herausforderung, einen Fundigel nach bestem Wissen und Gewissen bei mir überwintern zu lassen.

Arztbesuch

Sollte sich auch bei Dir in den Wintermonaten stacheliger Besuch einstellen, kannst Du einiges tun, ihm durch die harte Zeit zu helfen. Denn Tierliebe allein reich nicht aus, um die hilfsbedürftigen Stacheltiere sachgerecht zu überwintern. Als Erstes solltest Du Dich mit einer Igelstation in Deiner Nähe oder einem Tierarzt in Verbindung setzen. Hier kann das Fundtier fachkundig untersucht und medizinisch behandelt werden.

Auch wird man Dich rechtlich beraten, denn immerhin ist es in Deutschland generell verboten, Tiere geschützter Arten aus der Natur zu entfernen. Erlaubt ist jedoch, hilfsbedürftige Fundtiere sachgemäß gesund zu pflegen beziehungsweise aufzuziehen. Natürlich muss das erste Ziel der Igelhilfe darin bestehen, den Pflegling so bald wie möglich gesund freizulassen.

Not-Igel oder nicht?

Doch woher nun sollst Du wissen, ob Dein Fundigel auch wirklich hilfsbedürftig ist? Zunächst einmal kannst Du davon ausgehen, dass mit einem - normalerweise nachtaktiven - Tier, das tagsüber herumläuft, etwas nicht stimmt. Läuft es gar nach Wintereinbruch, also bei Dauerfrost oder Schneefall herum, ist ebenfalls Vorsicht geboten, denn im Regelfalle halten Igel in der nahrungsarmen Zeit von Oktober beziehungsweise November bis ungefähr April Winterschlaf und sind in dieser Jahreszeit nicht anzutreffen.

Da sie während ihres Winterschlafes zwischen siebzehn und sechsundzwanzig Prozent ihres Körpergewichtes verlieren, müssen sie sich vorher eine Reserve anfressen. Unter 500 Gramm Gewicht würde das Tier den Winterschlaf nicht überleben. Aus diesem Grunde ist ein herumirrender Fundigel wahrscheinlich entweder ein mageres, schwaches oder sogar krankes Alttier oder aber ein spät geborenes Jungtier, das sich wegen des nicht ausreichenden Nahrungsangebotes im Spätherbst kein Gewicht anfressen konnte, welches für den Winterschlaf ausreicht.

Aber Achtung: Auch aufgestörte Tiere laufen manchmal tagsüber herum, etwa wenn Laubhaufen entfernt oder Holzstapel abgebaut werden, wenn im Garten gearbeitet wird oder Hunde herum stöbern. Dann sucht sich auch ein gesunder Igel tagsüber einen neuen Unterschlupf. Auch von säugenden Igelweibchen weiß man, dass sie tagsüber zwischen Aufzuchtnest und einem weiteren Schlafplatz hin und her wechseln können.

Muttertier

Um herauszufinden, ob Dein Gartenbesuch ein säugender Mutterigel ist, streiche ihm sanft über den Rücken, bis er sich ausrollt. Mit der flachen Hand lege ihn dann vorsichtig auf die Seite, sodass Du den Bauch sehen kannst. Findest Du mittig in der hinteren Körperhälfte einen hautigen Knopf, hast Du es mit einem Igelmann zu tun. Bei einer Igeldame findest Du die Scheide direkt unter dem After, und auch die Zitzen sollten deutlich erkennbar sein.

Diese Tiere kannst Du weiterhin getrost sich selbst überlassen, sie benötigen keine menschliche Hilfe. Doch Vorsicht: Nicht die Zitzen aller säugenden Igelinnen lassen einen Rückschluss auf vorhandene Milchproduktion zu. Als Faustformel gilt daher: Eine Igeldame solltest Du nur aufnehmen, wenn diese schwer krank oder verletzt ist. Bist Du sich unsicher, ziehe einen Fachmann zurate.

Die ersten Schritte

Bevor Du mit Deinem Fundtier nun zum Tierarzt oder zur Igelstation fährst, ist es wichtig, unterkühlte Tiere aufzuwärmen. Eine Unterkühlung erkennst Du ganz leicht: Sie liegt vor, wenn sich die Bauchseite des Tieres deutlich kühler anfühlt als Deine eigene Hand. Fülle eine Gummiwärmflasche mit lauwarmem Wasser und umwickle den Igel mit einem Handtuch. Diese legst Du in einen Karton, setzt das Fundtier darauf und deckst es mit einem anderen Handtuch zu.

Verletzungen

Hat er sich aufgewärmt, kannst Du ihn einmal komplett auf sichtbare Verletzungen inspizieren, wozu Du vorsichtig den Kopf, den Bauch und die Beine untersuchst sowie die an nahezu jedem Igel befindlichen Außenparasiten entfernst. Besonders in den Körperöffnungen kranker und schwacher Tiere findet man Fliegeneier und Maden, die unverzüglich mit einer Pinzette abgesammelt werden sollten.

Zecken

Auch auf Zecken solltest Du den Fundigel untersuchen und diese gegebenenfalls mit einer Zeckenzange entfernen. Gegen weitere Parasiten und Lästlinge wird der Tierarzt ein Mittel verschreiben, beispielsweise ein Spray gegen Igelflöhe. Baden hingegen solltest Du Deinen Fundigel nicht, dies würde ihn nur zusätzlich stressen.

Der Einzug ins neue Heim

Fällt Dein Findling nun aber unter die Kategorie „Not-Igel“, hat den ersten Tierarztbesuch hinter sich und Du die Erlaubnis, ihn aufzuziehen beziehungsweise gesund pflegen zu dürfen, starte am besten mit einem Pflegeprotokoll. Hier kannst Du Dir Futtergabe, Gewichtszunahme und eventuell verabreichte Medikamente Tag für Tag notieren.

Schlafhäuschen

Auch steht jetzt die Einrichtung eines Igelgeheges mit Schlafhäuschen an. Ein Igelgehege sollte mindestens zwei Quadratmeter groß sein und über ca. 50 cm hohe Seitenwände verfügen. Große, miteinander verbundene Pappkartons, aber auch Sperrholzplatten leisten hier gute Dienste. Das Schlafhäuschen sollte ein nach oben klappbarer Pappkarton, etwa ein Schuhkarton sein, an dessen Seite man ein Einschlupfloch anbringt. Ausgepolstert wird er mit zerknülltem Zeitungspapier (keine Naturmaterialien verwenden!), das regelmäßig erneuert wird.

Futter

Passendes Futter für den Pflegeigel ist Katzen- oder Hundefutter aus der Dose, aber auch kurz angebratenes Hackfleisch und Rührei ohne Gewürze ist ein gutes Futter. Zum Trinken stellt man einen kleinen Wassernapf bereit. Wichtig: Igel vertragen keine Milch! Ist das Tier zu schwach zum Trinken, kann man ihm mit einer Einwegspritze ohne Nadel, einer Tortenspritze oder ähnliches ungesüßte, lauwarmen Fenchel- oder Kamillentee einflößen. Sollte Dein Fundigel nicht von selbst fressen, muss er wieder dem Tierarzt oder der Igelstation vorgestellt werden.

Mehr Informationen findest Du auch in Michael Lohmann: Das praktische Igel-Buch. Verhalten, Nahrung, Krankheiten, Schutz, Hilfe, Pflege, Überwintern. BLV, München 2001.

Fazit:

Man sollte sich genau überlegen, ob man einen Igel aufziehen will und auch den ganzen Winter lang Zeit hat, sich um ihn zu kümmern.

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Stefan T. sagt am 10.11.2010 14:12
Hatte im letzten Jahr in meinem Garten auch Igel... Die Balz ist zwar erst im Frühjahr, so weit ich mich erinnern kann, aber die Geräusche waren krass! Das nur mal als Ausblick für die Zeit nach der Winterruhe :)
beatmucke sagt am 21.01.2011 17:55
Wir haben jedes Jahr Igel in unserem Garten.Sie überwintern immer an der gleichen Stelle. Manchmal im Spätherbst kommen da so seltsame Geräusche aus dem Igelnest. Im Frühjahr wandert die Igelfamilie dann mit den Kindern durch den Garten und geht abends wieder ins Nest zum Schlafen. Es ist sehr schön, dies zu beobachten.

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