Pflanzen und Blumen
Kommentare (0)Die Gartenbesetzer – Pflanzen mit starkem Expansionsdrang
Wer einen Garten oder ein Beet neu anlegt, wünscht sich, dass möglichst schnell Lücken geschlossen sind und alles einen schönen, eingewachsenen Eindruck macht. Gern greift der frischgebackene Hobbygärtner dann zu Pflanzen, in deren Beschreibung so harmlose Formulierungen zu finden sind wie „bildet rasch Polster“, „in kurzer Zeit größere Bestände“, „kräftiges Wachstum“, „konkurrenzstark“. Doch oft, wenn auch nicht immer, verbirgt sich hinter diesen Beschreibungen der Hinweis darauf, dass die entsprechende Pflanze nicht nur üppig, sondern auch lästig werden kann.
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Die Wucherer im Zaum halten
Wuchernde Pflanzen, das heißt solche, die sich entweder kräftig aussamen oder sich durch Wurzelausläufer stark vermehren (oder beides), können zu einer wahren Plage werden.
Statt Unkraut zu jäten, bist Du auf einmal dabei, die vor wenigen Jahren teuer gekaufte Staude mühsam wieder aus Deinem Garten zu entfernen. Wenn Du vorher weißt, dass eine Pflanze stark zum Wuchern neigt, Du sie aber trotzdem haben möchtest, dann ist das bei Ausläufer treibenden Pflanzen meistens nicht so problematisch, denn Du kannst Sie mit einer Wurzelsperre pflanzen. Oft reicht hier schon das Pflanzen in einen bodenlosen Topf, der ebenerdig eingegraben wird. Für größere Stauden oder Gehölze kannst Du im Gartenfachhandel spezielle Wurzelsperren kaufen.
Eine weitere Möglichkeit ist das Pflanzen in Töpfe oder Kübel. Schwieriger ist es bei Pflanzen, die sich stark versamen. Entweder Du bist gewillt, regelmäßiges gründliches Jäten in Kauf zu nehmen oder Du schneidest die Fruchtstände rechtzeitig vor der Samenreife ab.
Lecker in der Küche, gefährlich im Beet
Leider gehören viele Küchenkräuter zu den Pflanzen, die sich gern im ganzen Garten breit machen. Darauf verzichten musst Du deshalb auf keinen Fall, nur bewusst und richtig damit umgehen.
- Zitronenmelisse (Melissa officinalis): Riecht und schmeckt lecker – und sollte unbedingt vor der Blüte zurückgeschnitten werden, denn ihre Samen erobern die unmöglichsten Plätze.
- Minze (Mentha x piperita und andere): Die vielen verschiedenen Minzsorten mit ihren zum Teil außergewöhnlichen Aromen, verleiten zum Sammeln, doch unbedingt in einem Pflanzgefäß oder mit einer sehr guten Wurzelsperre, denn Minzen bilden lange Ausläufer und treiben noch aus dem kleinsten Stückchen Wurzel willig wieder aus.
- Liebstöckel (Levisticum officinale): Das bekannte Maggikraut versamt sich gern; auch beim Umpflanzen solltest Du aufpassen, denn wenn ein Teil des Wurzelstockes in der Erde verbleibt, treibt dieser neu aus.
- Oregano (Origanum vulgare): Schöne Blüten und ein Muss auf jeder Pizza, doch im Garten solltest Du aufpassen, denn er versamt sich stark und bildet rasch größere Horste, die regelmäßig abgestochen werden müssen.
- Topinambur (Helianthus tuberosus): Sie ist kein Küchenkraut, aber ihre Wurzelknollen sind sehr schmackhaft und können roh oder gekocht in der Küche verwendet werden. Die zu den Staudensonnenblumen gehörende Topinambur sollte ein eigenes Beet (oder einen Kübel) bekommen und unbedingt regelmäßig geerntet werden.
Einmal im Garten, immer im Garten
Sie sind die „Bösen“ – und wenn Du sie im Garten haben möchtest, musst Du ihnen unbedingt schon bei der Pflanzung ein Korsett verpassen.
- Goldfelberich (Lysimachia punctata): Unverwüstlich, dauerblühend, dankbar, unkompliziert, schneckenresistent – mit diesen Attributen wird der Goldfelberich gern angeboten. Und es stimmt alles. Dass er außerdem aus jedem noch so kleinen Wurzelstückchen austreibt und er auch gern in andere Pflanzen hineinwächst, wird selten erwähnt.
- Schneefelberich (Lysimachia clethroides): Diese Art sei nicht so ausbreitungsfreudig wie ihr gelber Verwandter – eine Aussage, die ich nicht bestätigen kann, denn auch der Schneefelberich bildet unterirdische Ausläufer und muss regelmäßig eingedämmt werden.
- Goldrute (Solidago gigantea): Hier gibt es einige Sorten im Gartenfachhandel, die weniger wuchernd sind als die Art, die sich über Samen und Ausläufer schnell verbreitet.
- Bambus: Der Klassiker unter den Wucherern, der unbedingt eine stabile Wurzelsperre benötigt, es sei denn, er gehört zu den Fargesien, der einzigen Gattung, die horstartig wächst und keine Ausläufer bildet.
So hübsch, dass man ihnen (fast) alles verzeiht
Ja, es gibt auch die „Guten“, die zwar ebenfalls keinen Versuch auslassen, jede Ecke zu erobern, die aber so attraktiv, zart und liebenswert sind, dass man gern ein Auge zudrückt – zumal sie sich leicht entfernen lassen, wenn sie doch an falscher Stelle stehen.
- Akeleien (Aquilegia): Sie versamen sich überall und wachsen auch zwischen Pflasterfugen, doch ihre zarten Blüten sind so hübsch und ihr frisches Laub im Frühling einfach ein schöner Anblick, dass man ihnen nicht böse sein kann. Um ihren Drang zur Vermehrung etwas Einhalt zu gebieten, kannst Du nach der Blüte die unreifen Samenstände abschneiden. Und hast Du doch zu viele Sämlinge im Garten, kannst Du sie leicht ausreißen.
- Vergissmeinnicht (Myosotis): Mit seinen himmelblauen Blüten bringt es Farbe in den Frühlingsgarten. Das zweijährige Vergissmeinnicht bildet im ersten Jahr Blattrosetten und blüht dann im zweiten Standjahr, deshalb sollte man einige Pflanzen zur Samenreife kommen lassen, wenn man es nicht ganz aus dem Garten verbannen möchte. Überzählige Pflanzen lassen sich leicht entfernen.
- Frauenmantel (Alchemilla mollis): Diese pflegeleicht Gartenpflanze, die sich wunderbar als Rosenbegleiter oder Beeteinfassung eignet, hat auch den starken Hang, sich zu versamen. Wenn Du also nicht überall kleine „Frauenmäntel“ haben möchtest, solltest Du rechtzeitig nach der Blüte die komplette Pflanze zurückschneiden, die dann wieder willig austreibt.
- Maiglöckchen (Convallaria majalis): Eigentlich gehören sie zu den „Bösen“, denn ihre Rhizome reichen tief in den Boden, verbreiten sich gern und sind kaum wieder vollständig zu entfernen. Doch wenn Du nicht auf Maiglöckchenduft im Garten verzichten willst, pflanze sie in eine Topf und erfreue dich an ihren Blüten.
Fazit:
Es gibt noch viele weitere Pflanzen, wie zum Beispiel Brom- und Himbeeren, die zum Wuchern neigen. Deshalb solltest Du Dich immer genau über die Wuchseigenschaften der Pflanzen informieren, die Du haben möchtest. Und: An verschiedenen Standorten zeigen viele Pflanzen unterschiedliches Wuchsverhalten, deshalb kannst Du Glück haben und ein berüchtigter Wucherer ist vielleicht bei Dir ganz zahm.
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