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Guter Wurm, schlechter Wurm

Ein neuer Verbündeter im Kampf gegen die lästige Kirschfliegenmade ist auf der Nützlingsliste des biologischen Pflanzenschutzes zu verzeichnen. Wir können gespannt sein, ob er sich bewährt und zu einem treuen Gefährten des Gärtners werden kann.

Guter Wurm gegen schlechten Wurm

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Welcher stolze Obstbaumbesitzer kennt das nicht, die ersten heiß ersehnten Kirschen liegen rot und erntereif im Eimer und der Hand. Aber schon kommt das böse Erwachen: in fast jeder Kirsche ist ein unerwünschter Untermieter! Der Verantwortliche hierbei ist schnell gefunden, es handelt sich hierbei um die Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi L.), die sowohl dem Hobbygärtner als auch Erwerbsobstbauern Jahr für Jahr die Ernte „madig“ macht.

Für letztere kann dieser ungebetene Nutznießer der Kirsche zu einem echten, zum Teil sogar existenzbedrohenden Problem werden (eine Fliege kann circa 200 Eier legen und somit bis zu einem Kilogramm Kirschen schädigen).

Weder der private Selbstanbauer, noch der Kunde im Supermarkt oder Wochenmarkt will Kirschen mit „Einlage“! Bei diesem Problem könnte ein hungriges Würmchen aus dem Untergrund baldige Rettung bringen.

Lebensweise

Aber wie kommt die Made überhaupt in die Kirsche?

Die Hauptflugzeit der Kirschfruchtfliege ist je nach Temperatur, Ende Mai bis Anfang Juli. Nach der Paarung beginnen die Weibchen die Eiablage unterhalb der Schale der reifenden Kirschen. Nach 5 bis 14 Tagen schlüpfen die Larven und beginnen sich vom Fruchtfleisch der Kirsche zu ernähren, die befallene Frucht beginnt zu faulen. Neben der Kulturkirsche nistet die Larve der Fruchtfliege auch in eng verwandte Wild- und Ziergehölzen wie: Vogelkirschen (Prunus avium), Sauerkirschen (Prunus cerasus), Heckenkirschen (Lonicera), Schneebeeren (Symphoricarpos) und Gewöhnlichen Traubenkirschen (Prunus).

Nach knapp einem Monat ist die Larve ausgewachsen, sie verlässt die Frucht und vergräbt sich einige Zentimeter tief im Erdboden. Dort verpuppt sie sich zu einer Überwinterungslarve, um dann im nächsten Frühjahr als Fliege zu schlüpfen.

Pflanzenschutz, aber wie?

Dieser Ernteschädling ist zwar nicht neu in unseren Gefilden, aber seit 2005 keines der wirksamen Insektizide für seine Bekämpfung mehr zugelassen ist, befindet sich die Fliege wieder auf dem Vormarsch und wird verstärkt zum Problem. Leider gibt es jenseits der Insektizide keine wirklich wirksamen Optionen.

Die im Handel erhältlichen Gelbtafeln helfen allenfalls den Beginn des Befalls und dessen Stärke festzustellen, aber ein wirklich wirksames Mittel gegen die Kirschfruchtfliege sind diese beleimten Tafeln nicht. Weitere Mittel zur Befallsreduzierung sind die komplette Aberntung der Obstbäume sowie das Sammeln und Vernichten von Fallobst oder eine isolierende Mulchschicht, um den Schlupfzeitpunkt der Fliege zu verzögern.

Alte und ungepflegte Kirschbäume tragen als „Brutstätten“ ebenfalls zur Ausbreitung bei. Auch die Rodung von den oben beschriebenen Brutpflanzen in der Nähe der Obstbäume kann helfen. Ferner helfen engmaschige Netze zur Blütezeit oder frühe Kirschsorten, da die Kirschfruchtfliege vorrangig mittelfrühe bis späte Süßkirschen befällt.

Aber wirklich probate Mittel sind das alles nicht. Der gezielte Einsatz von natürlichen Gegenspielern könnte diese Gefahrensituation entschärfen.

Nematode

Einer der vielversprechendsten biologischen Gegner der Kirschfruchtfliege ist ein Nematode, auf deutsch Fadenwurm, der natürlicherweise in geringer Anzahl in unseren Böden vorkommt. Dieser Nematode, Steinernema feltiae Filipjev, hat als Endoparasit die Puppe der Kirschfruchtfliege zum Fressen gern.

Die Wirksamkeit der Nematode beruht auf einer Symbiose mit einem Bakterium, welches im Darm des Fadenwurms lebt. Die Larven der Fadenwürmer warten im Boden auf ein empfindliches Insekt. Ist ein passender Wirt geortet, dringt die Larve der Nematode durch Körperöffnungen in ihre Oper ein. Dort gibt die Nematodenlarve das Bakterium ab. Der Wirt stirbt daraufhin an einer Art Vergiftung. Nematode und Bakterium vermehren sich, bis der Wirt aufgezehrt ist und verlassen ihn wiederum als Dauerlarve.

Es ist gelungen, die betreffende Nematode in Massen industriell zu vermehren. Als Gießlösung soll dieser Nematode dann im Bereich des Kirschbaums in den Boden gelangen und dort die Larven der Kirschfruchtfliege vertilgen. Noch wird von Produzenten an der Optimierung der Verfahren gearbeitet, aber die Markteinführung soll bald erfolgen.

Enge Verwandte dieses Fadenwurms werden bereits erfolgreich zur Bekämpfung von beispielsweise Trauermücken im Zierpflanzenbereich eingesetzt. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Nützling in der Freilandpraxis am Befall von Kirschfruchtfliegen beweisen wird. Auf jeden Fall wäre dieses Verfahren weitaus schonender für die Umwelt, als jedes Spritzmittel und deutlich weniger arbeitsintensiv, als Fallobstsammeln und Netze spannen, somit sogar für den ökologischen Obstbau geeignet!

Fazit:

Also, lasst die guten Würmer die Arbeit machen, der Gärtner hat mit der Ernte schon genug zu tun!

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Sebastian Steinhof ist Experte für Gartenbau
Dipl. Ing. Gartenbau Sebastian Steinhof
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