Gartentrends

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Nahrungsmittelproduktion durch urbane Landwirtschaft

Die Weltbevölkerung wächst nicht nur, sie lebt auch zunehmend in Städten. Selbstversorgung kann auch in dieser Umgebung eine Säule zur Deckung des Nahrungsmittelbedarfs sein. Aufgrund der besonderen Umstände - intensiven Bebauung, versiegelter Flächen und wenig Platz - ist der Anbau von Nutzpflanzen in Städten nicht vergleichbar mit ruraler Landwirtschaft. Es gibt nahezu keinen Maschineneinsatz, dafür aber intensive und kreative Flächennutzung.

Landwirtschaft zwischen Hochhäusern

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Die Urbanisierung der Gesellschaft

Das Leben in der Stadt führt unter anderem zur Entfremdung zwischen dem Menschen und seiner Nahrung. Der Fortschritt in der Landwirtschaft führte in Deutschland dazu, dass im Jahr 2008 nur noch knapp zwei Prozent aller Erwerbstätigen im primären Sektor, also in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischereiwesen, tätig sind.

Die meisten haben geringe oder falsche Vorstellungen vom Ursprung ihrer Lebensmittel, woher auch, die Nahrungsmittelbeschaffung verläuft nahezu klinisch rein. Man betritt ein sauberes, gut beleuchtetes Gebäude, in ihm stehen Tische und Regale, auf und in denen sich die sauberen Lebensmittel, zum Teil mundgerecht portioniert in glänzenden Kunststoffverpackungen, befinden.

Die Urbanisierung der Landwirtschaft

Im Zuge der Verstädterung und Bevölkerungsexplosion im Europa des 19. Jahrhunderts entstanden neue Probleme. Die Errichtung von Kleingärten auf unbebauten Flächen sollten der Armut und Nahrungsmittelknappheit entgegenwirken.

Bereits einige Jahrhunderte zuvor in Mittelamerika entwickelten die Azteken eine raffinierte Möglichkeit der stadtnahen Landwirtschaft. Sie nutzten Chinampas, Flöße in flachen Gewässern schwimmend, auf denen diverse Kulturpflanzen angebaut wurden, um die Nahrungsmittelversorgung ihrer bevölkerungsreichen Stadtstaaten zu sichern.

Der Begriff urbane Landwirtschaft wurde jedoch erst später geprägt. Die Bewegung beginnt in den Großstädten der USA in den siebziger Jahren. Ausgangspunkt der Community Gardens ist New York, einige Anwohner wollten der zunehmenden Verwahrlosung ihrer Stadtteile etwas entgegensetzen und schufen in Eigeninitiative aus Brachflächen Gärten.

Vorzüge urbaner Landwirtschaft

Nicht in allen Teilen der Welt ist die Versorgung mit Lebensmitteln gleich gut. Urbane Landwirtschaft kann man, je nach Perspektive, als Hobby für Freunde der Frischluft betrachten oder sie als Möglichkeit sehen, die durch Kauf verfügbare Lebensmittelpalette mit einer Eigenproduktion zu ergänzen.

In unseren Breiten besteht ganzjährig eine lückenlose Versorgung mit frischen Lebensmitteln. Man kennt vage die Herkunft von gekauftem Obst und Gemüse, doch gibt es eine zunehmende Sensibilisierung für die Produktionsbedingungen und den Ressourcenverbrauch bei der Nahrungsmittelproduktion. Hier ermöglicht die urbane Landwirtschaft eine transparente und umweltfreundliche Produktion von gesunden Nahrungsmitteln mit kurzen Transportwegen.

Beim heimischen Gemüseanbau geht es außerdem nicht allein um die ökologischen Aspekte. In Siedlungen mit Gemeinschaftsgärten pflegt man beispielsweise  nicht nur seine Beete, sondern auch das Sozialleben bekommt Impulse beim Plausch mit dem Nachbarn. Kinder erfahren zudem vor Ort, wie eine zur Tiefkühlkost gehörige Gemüsepflanze aussieht und können ihr eigenes Gärtner-Talent erproben und die Natur schätzen lernen.

Die Problemzonen der Stadt

Der Standort des zukünftigen Gartens muss einige Kriterien erfüllen. Nicht jede Umgebung ist geeignet für den Anbau von Pflanzen, die für den Verzehr gedacht sind. Schwermetalle, Industrierückstände und Abgase belasten die Qualität von Boden, Wasser und Luft. Die Akkumulation dieser umweltschädlichen Stoffe durch die Pflanze macht sie als Nahrungsmittel unbrauchbar, da sich durch den Verzehr jene Stoffe wiederum im menschlichen Körper anreichern.

Das Fenster zum Hof

Was spricht dagegen, sich vom Hinterhof ein kleines Stück für ein paar Erdbeeren, Kräuter, Tomaten und einer Kürbispflanze in der Ecke urbar zu machen? Auch Balkonkästen müssen nicht zwingend mit Geranien und Stiefmütterchen gefüllt werden. Nicht jeder hat die Möglichkeit oder die Absicht, in einer Kleingartenanlage zu enden. Da wären aber auch noch Vorgärten, Hinterhöfe, Baumscheiben, Balkone, Terrassen, Dächer und Fensterbretter. Experimentierfreudigen reicht auch einfach ein Fenster und sie nennen es "Window farming".

Fazit:

Der Stadtbewohner lebt zwischen Häusern, Straßen, Verkehr, Lärm und anderen Stadtbewohnern, da erscheint seine Sehnsucht nach ein paar selbst organisierten Quadratmetern wenig überraschend. Dabei ist Gärtnern kein kleinbürgerlicher Zeitvertreib, schließlich gehört der gezielte Anbau von Pflanzen zu den fundamentalen Entwicklungen der Menschheit.

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Anke Kernbach ist Experte für Urbanen Gartenbau
Studentin der Gartenbau - Wissenschaften Anke Kernbach
aus Berlin
Experte für Urbanen Gartenbau
  • Obst und Gemüse
  • Balkon
  • Spezialgebiet: Paprika
Anke hält Gemüsepflanzen und Obstgehölze für die schönsten Zierpflanzen. Besonderes interessieren sie die Möglichkeiten, die Enge der Stadt für gärtnerische Zwecke zu nutzen. Sie betreibt ein kleines urbanes Versuchsfeld auf dem Balkon.

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