Pflanzen und Blumen

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Neu entdecken – Gemüse aus Großmutters Garten

Fast wären sie untergegangen wie die Titanic. Geschmacksarme Hybrid-Pflanzen verdrängen immer mehr die alten Sorten.

Alte Schätze neu entdeckt

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Fast verdrängt und in Vergessenheit geraten, sind sie wieder im Kommen: Alte Gemüsesorten, die meist aus großanbau- und handelstechnischen Gründen nicht mehr angebaut werden und oft mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, als krankheitsanfällig und wenig ertragreich zu gelten.

Manch ein Gärtner weiß gar nicht mehr, was unter Pastinake, Topinambur, Rapontica und Co zu verstehen ist. Der gegenwärtige Bio-Boom bringt aber plötzlich auch die "alten Sorten" ins Angebot ein, die bereits zu Großmutters Zeiten auf Felder und in Gärten kultiviert wurden. Das Althergebrachte macht diese Pflanzen interessant und anziehend; etwas scheinbar Neues, das in Wirklichkeit nur in Vergessenheit geraten war, steht wieder auf dem Speiseplan. Dennoch wird noch manch alte Gemüsesorte als Unkraut bezeichnet, wissen viele nicht, den einzigartigen Geschmack zu schätzen. Die Gourmetköche haben die alten Kulturpflanzen schon seit längere Zeit für sich entdeckt und zaubern mit ihrer Hilfe Gerichte mit ganz eigenen Noten.

Samenecht versus Hybriden

Auch wenn die alten Sorten fast vom Markt verschwunden sind, besitzen sie entscheidende Vorteile gegenüber neueren. Heutzutage bekommt man im Handel meist nur noch Hybriden. Manch einer macht sich kaum Gedanken, worin der Unterschied zwischen Hybriden und den alten, samenechten Pflanzen liegt, man freut sich über eine reiche, gute Ernte mit großen Früchten. Doch ist Folgendes zu bedenken:
Hybriden wurden gezüchtet, um mehr Ertrag, größere und einheitliche Früchte zu bekommen. F1 Hybriden degenerieren durch "Inzucht" im Laufe der Zeit. Das aus ihnen gewonnene Saatgut kann nicht weiter verwendet werden und muss neu eingekauft werden, da es minderwertig ist. Es entsteht eine Abhängigkeit von großen Saatgutkonzernen, die frisches Saatgut liefern.

Im Gegensatz zu den Hybriden besteht bei den Samenechten die Möglichkeit, die Samen zu ernten und im nächsten Jahr wieder zur Aussaat zu verwenden. Die samenechten „Alten“ punkten auch mit ihrer Robustheit, begeistern mit ihrem ursprünglichen und intensiven Geschmack und besitzen oft sogar mehr wertvolle Inhaltsstoffe. Zudem kann eine gentechnisch unveränderte Herkunft garantiert werden.

Den Hybriden fehlt oftmals die Individualität und der Geschmack. Es existieren Untersuchungen, die belegen, dass beispielsweise Hybriden-Möhren optisch normalen Möhren gleichen, dass jedoch unter einem Mikroskop die Mangelhaftigkeit der Hybriden deutlich wird nach dem Motto: außen hui, innen pfui!

Die Gewinner

  • Pastinake
  • Die Pastinake (Pastinaca sativa) findet man ab und an im Supermarkt. Sie zählt zu Doldenblütlern und entwickelt eine gelblich-weiße, fleischige Pfahlwurzel. Geerntet werden die Wurzeln vor der Blüte, wenn sie etwa 20 Zentimeter groß sind. Verwendet wird die Pastinake zum Würzen für Salate oder Suppen und sorgt für eine würzig-scharfe Note.

  • Dicke Bohne
  • Die Dicke Bohne (Vicia faba) ist eine Wickenart, die feuchte Böden vorzieht. In unseren Gärten wächst Sie einjährig. Sie zählt zu den ältesten Kulturpflanzen und wurde schon in der Bronzezeit angebaut. Hohe Sorten benötigen Rankhilfen wie Drahtzäune. Die Erntezeit liegt im Juni bis September. Nur die jungen Hülsenfrüchte sind genießbar. Die gekochten Kerne schmecken mehlig und intensiv.

  • Weiße Möhre
  • Weiße Möhren sind eine Vorform der orangenen Möhren, die es erst seit Ende des 18. Jahrhunderts gibt. Die Vorreiter waren gelb, weiß oder violett und sind im Geschmack ein bisschen herber.

  • Kleine Möhre
  • Kleine Möhre "Duwicker" ist einer der letzten erhaltenen Nachkommen der um 1800 in den Niederlanden entstandenen Sorte. Älteren Leuten ist diese bis ca. 1970 recht beliebte Möhre häufig noch ein Begriff. Sie bildet nur kreiselförmige 5-9 Zentimeter lange Wurzeln, die sehr süß und enorm aromatisch sind.

  • Erdmandel
  • Die Erdmandel (Cyperus esculentus) bildet 10-20 mm große Knöllchen und lässt sich dadurch leicht vermehren und ist roh, gebraten, geröstet oder gekocht essbar. Die Knöllchen haben einen süßlichen, mandelähnlichen Geschmack. Die vor allem in Spanien angebaute und zu den Zypern-Gras-Gewächsen gehörende Pflanze wird dort zu Mandelmilch verarbeitet.

  • Topinambur
  • Topinambur (Helianthus tuberosus) ist eine wunderschöne Blühpflanze, deren Knolle ein artischockenartiges Aroma aufweist. Die Pflanze bildet sehr zahlreiche Ausläufer und ist recht anspruchslos. Zubereitet wird sie roh, gekocht oder angebraten in Salat, als Püree, in würzigen Aufläufen und diversen andern Gerichten.

  • Kerbelrübe
  • Die Kerbelrüben (Chaerophyllum bulbosum) gilt als eine der wohlschmeckendsten Gemüsearten und ist vor allem in Frankreich als Gourmet-Gemüse bekannt. Die kleinen Rüben schmecken nussig und besitzen eine kleine Schärfenote. Nach einigen Monaten Lagerung verbessert sich sogar das kräftige Aroma. Die zweijährige Pflanze bevorzugt feuchte Standorte.

  • Süßkartoffel
  • Die Süßkartoffel (Ipomoea batatas) gehört zu der Familie der Windengewächse. Ihre fleischigen Wurzelstöcke ähneln der Kartoffel, sie ist aber nicht mit der Kartoffel verwandt. Die Zubereitung ist vergleichbar mit der Kartoffel und die Knollen werden häufig für würzige Saucen oder oft zu einer Art Brot gebacken.

  • Rapontica
  • Rapontica (Oenothera biennis), auch besser bekannt unter den Namen Gemeine Nachtkerze wird wegen der zu Salat, Gemüse und zu Suppen verwendeten Wurzeln kultiviert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde diese als Gemüsepflanze angebaut und zählt bis heute zu den typischen Bauerngartenpflanzen, wo sie aber meist nur noch zur Zierde im Garten steht.

  • Mangold
  • Mangold (Beta vulgaris subsp. cicla) zählt zum Blattgemüse. Blätter und Stiele werden verzehrt, nicht aber die Wurzeln. Unterschieden wird in Stiel-Mangold und Blatt-Mangold. Die Blätter können runzelig oder glatt sein, zudem gibt es verschiedene Sorten mit unterschiedlicher Blattfarbe, die sich auch gut als Zierpflanzen im Blumenbeet machen. Wird zweijährig gezogen.

  • Rote Beete
  • Rote Beete (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. conditiva) bildet eine dunkelrote Rübe aus. Diese haben einen stark färbenden Saft, der oft zum Färben von Lebensmittelprodukten verwendet wird. Es gibt auch weißfleischige Sorten. Im Sommer erfolgt die Aussaat und ab Oktober kann die Rote Beete bis zum ersten Frost geerntet werden. Sie gehört zum klassischen Wintergemüse. Sie schmecken kräftig, würzig und süß-säuerlich.

  • Schwarzwurzel
  • Auch die Schwarzwurzel (Scorzonera hispanica) ist eine alte winterharte Gemüsesorte. Sie ist anspruchslos und nur in der Ernte etwas mühselig, da sie 30 bis 50 Zentimeter lange, leicht brüchige Wurzeln bildet. Die Erntezeit beginnt im Oktober, wenn die Blätter der Schwarzwurzeln welken und absterben und reicht bis in den April des nächsten Jahres hinein.

  • Mairübe
  • Die Mairübe (Brassica rapa ssp. rapa var. majalis) ist eine besondere Form der Speiserübe. Sie spielte eine wichtige Rolle vor der Einführung der Kartoffel. Die Rübe verbindet man oft mit Krieg, Armut und Hunger. Dabei ist sie reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiß. Die Wurzel kann gedünstet gegessen und die Blätter können wie Spinat verarbeitet werden.

  • Erdbeerspinat
  • Erdbeerspinat (Blitum capitatum) bringt spinatartige Blätter hervor, an denen später die zierenden und leuchtend roten Früchten erscheinen, die wie Monatserdbeeren aussehen. Sie schmecken leicht süßlich. Diese wurden oft zur Kaiserzeit für Dekorationszwecke auf festlichen Tafeln verwendet. Die Blätter werden wie Spinat gekocht.

  • Spargel-, Flügelerbse
  • Spargel-oder Flügelerbse (Tetragonolobus purpureus) war früher eine häufig anzutreffende Gartenpflanze. Aus den wunderschönen roten Blüten entwickeln sich die 4 bis 5 Zentimeter langen geflügelten Hülsen mit erbsenähnlichen Körnern. Man sollte sie jung ernten, da sie schnell an Süße verlieren. Es ist ein schmackhaftes Kochgemüse, das an Spargel erinnert.

  • Meerkohl
  • Meerkohl (Crambe maritima) ist in der heutigen Zeit fast ganz in Vergessenheit geraten, vor allem, weil es auch als Viehfutter genutzt und dadurch fast ausgerottet worden. Die Wildpflanzen sind mittlerweile in Deutschland und Europa geschützt. Verzehrt werden die jungen, gebleichten Sprosse, ähnlich wie beim Spargel. Doch auch die Blätter können zum Kochen verwendet werden.

  • Amaranth-Pflanze
  • Amaranth-Pflanzen (Amaranthus) ist in vielen Teilen der Welt wegen der nahrhaften Samenkörner verbreitet. Sie enthalten besonders viel Stärke und Vitamine. Werden oft auch als "Inkaweizen" im Handel verkauft und findet man häufig in Müsli und Fladenbrot.

  • Rote Gartenmelde
  • Rote Gartenmelde (Atriplex hortensis ,Rubra’) bezaubert mit ihrem mattrotem Laub und dem tannenähnlichen Wuchs, sodass ihr Wert als spinatähnliches Gemüse leicht in Vergessenheit gerät. Ihre Blätter schmecken frisch-würzig und lassen sich leicht wie Spinat zubereiten. Die Pflanze gedeiht auf gut durchlässigem Gartenboden und samt sich leicht aus.

Vereine, die sich für den Erhalt und Entwicklung alter Gemüsesorten einsetzen sind:

  • Rapontica - Organisation aus Weimar - Gemüse und Kräuter der Goethezeit
  • Arche Noah - Organisation aus Österreich - (Saatgut)
  • Dreschflegel - Gemeinnütziger Verein aus Deutschland
  • VERN e.V. - Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg
  • Manufactum - Einzelhandelsunternehmen mit Versandhandel alter Obst- und Gemüsesorten

Fazit:

Es lohnt sich alte Sorten anzupflanzen, bieten sie doch oft mehr Geschmack und bereichern so den Speiseplan.


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